Zum Inhalt springen
01Wissenschaft

Die Illusion der Kontrolle durch Prepping

Preppen wird häufig als Strategie zur Krisenvorsorge angesehen, die Kontrolle über das eigene Leben zu erlangen. Doch ist das wirklich so?

Julia Fischer25. Juli 20262 Min. Lesezeit

Die gängige Meinung über Prepping, also die Vorbereitung auf potenzielle Krisen oder Katastrophen, ist oft, dass es den Menschen ein Gefühl von Kontrolle und Sicherheit gibt. Viele glauben, dass die sorgfältige Planung und das Anlegen von Vorräten den eigenen Einfluss auf die Zukunft stärkt. Doch dieser weit verbreitete Glaube könnte irreführend sein und es gibt einige überzeugende Argumente, die dieser Annahme widersprechen.

Kontrolle oder Illusion?

Erstens ist es naiv zu glauben, dass man durch Prepping tatsächlich die Kontrolle über das Schicksal erlangt. Krisen sind oft unvorhersehbar und können in Formen auftreten, die trotz aller Vorbereitung nicht in den Griff zu bekommen sind. Ein Erdbeben, eine plötzliche Pandemie oder sogar wirtschaftliche Zusammenbrüche können das Resultat umfassender Vorbereitungen mit einem Schlag zunichte machen. Man könnte argumentieren, dass die eigene Risikovorsorge eher eine Verschiebung der Unsicherheit ist, als dass sie sie eliminiert. Das Gefühl, alles in der Hand zu haben, kann vielmehr ein Trugschluss sein.

Zweitens, während das Anlegen von Vorräten und das Entwickeln von Notfallplänen für viele Menschen ein beruhigendes Ritual ist, kann es auch zu einer Obsession werden. Diese übertriebene Fokussierung auf die Zukunft kann die Gegenwart stark belasten. Anstelle von Kontrolle erleben viele Prepper eine ständige Angst vor dem Unbekannten, die sie daran hindert, das Hier und Jetzt zu genießen. In gewisser Weise schränkt der Drang zur Vorbereitung die Lebensqualität ein, während man auf das erwartet, was möglicherweise nie eintritt.

Drittens sollte man nicht außer Acht lassen, dass das Gefühl von Kontrolle, das manche beim Preppen empfinden, oft von sozialen und psychologischen Faktoren beeinflusst wird. Gemeinschaften von Preppern können sich bilden, in denen das gemeinsame Ziel, sich auf das Schlimmste vorzubereiten, einen starken sozialen Zusammenhalt erzeugt. Dies kann zwar ein Gefühl von Zugehörigkeit und Unterstützung vermitteln, ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die reale Kontrolle über externe Umstände nach wie vor begrenzt ist. Der psychologische Effekt dieser Gemeinschaft kann durchaus befriedigen, jedoch bleibt auch hier die Frage: Ist es eine gesunde Form der Kontrolle oder eine Flucht vor der Realität?

Natürlich gibt es einige Aspekte des Preppens, die wertvoll sind — wie das Bewusstsein für Notfälle oder die Fähigkeit, auf unerwartete Situationen zu reagieren. Jedoch ist die Vorstellung, dass diese Praktiken uns wirklich Kontrolle über unser Schicksal geben, eine unvollständige Sichtweise. Prepping ist also weniger eine Antwort auf die Unsicherheit des Lebens, als vielmehr eine Reflexion unserer eigenen Ängste. Es kann eine gewisse Sicherheit vermitteln, aber diese Sicherheit ist trügerisch und oft von den Geistern unserer eigenen Vorstellungen über Kontrolle und Vorhersehbarkeit genährt.

Aus unserem Netzwerk